Prof. Dr. Sointu Scharenberg                                 

Donnerstag, 9 – 11 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 28.3.2019

Diese Vorlesung ist für Studierende im BA LA Gym mit Musik als V Musikpädagogik, als V Fachdidaktik oder im Bereich Wahl Wissenschaft für Musikpädagogik anrechenbar. [2 ECTS]

Es lassen sich viele Katalysatoren identifizieren, die letztlich zu dem markanten Umbruch m Bildungswesen und damit auch zu einem Wandel des Musikunterrichts in Deutschland vor ziemlich genau 50 Jahren führten. Dieser Einschnitt war derart schroff, die schulischen Experimente wurden von so unterschiedlichen Ideen geleitet, dass wir mit den Auswirkungen der Konzeptionen bis heute sowohl argumentativ als auch strukturell zu kämpfen haben.

Für mich stellte sich daher vor allem die Frage, nach welchem System ich die Entwicklungen sortieren und mit Ihnen diskutieren kann, so dass tatsächlich der Wandel des Musikunterrichts im Zentrum steht und nicht die beobachtbaren Veränderungen vorrangig als Reaktion auf institutionelle, soziologische oder politische Entscheidungen erscheinen, wie es eine chronologische Ordnung nahelegen würde. 

Nicht ganz unerwartet erweist sich ein sehr altes Modell als hilfreich: der Blick auf gedankliche Schulen, denn zumindest für die ersten Jahrzehnte hängen Veränderungen im Musikunterricht maßgeblich von Impulsen ab, die einzelne Personen prominent platzierten und diskutierten. Die wechselnden Konstellationen innerhalb der musikpädagogischen Avantgarde der 70er Jahre und deren Engagement in den Printmedien hat mehr als eine Lehrer- und Hochschullehrergeneration geprägt.

Mit der Wiedervereinigung und einer etwa zur gleichen Zeit geforderten Orientierung an einem  bestenfalls europäischen Bildungsstandard kommen noch vor der Jahrtausendwende gleich zwei Herausforderungen auf den Musikunterricht zu, auf deren unmittelbare Auswirkungen allerdings weder die Schule als Institution noch die Hochschullehre vorbereitet ist, weshalb bei aller Vielfalt der Ansätze eine gewisse Orientierungslosigkeit erkennbar wird, passend zur Post(post)moderne-Diskussion.

Das frühe 21. Jahrhundert bis zur Gegenwart hält unterschiedliche Auswege aus dieser vorhergegangenen gehörigen Perturbation des Faches bereit, mangelnde historische Distanz erlaubt nur erst, diese zu erläutern, um daran die Frage anzuschließen, wohin sich der Musikunterricht perspektivisch entwickeln könnte. 

Die Vorlesung wird durch ein veranstaltungsbegleitendes e-learning-Angebot ergänzt, das zu jeder Sitzung einen ausgewählten Text bereitstellt, der zur Illustration, Vertiefung oder als Anregung zum Widerspruch dienen kann. Entsprechend besteht der Modulabschluss aus der erfolgreichen Teilnahme an einer kurzen abschließenden mündlichen Prüfung (20 min.).

Literatur: 

Wilfried Gruhn: Geschichte der Musikerziehung. Eine Kultur- und Sozialgeschichte vom Gesangunterricht der Aufklärungspädagogik zu ästhetisch-kultureller Bildung. Wolke: Hofheim 1993, 2. überarb. u. erw. Aufl. 2003

Prof. Dr. Friedrich Platz

Von empirischen Erklärungsmodellen, über Untersuchungs- und Operationalisierungsansätze bis zu ihrer Verwendung zur Lernstandserhebung sowie (langfristigen) Unterrichtsplanung und -gestaltung – mit der Adaption von Weinerts Kompetenzbegriff hat nicht nur die Musikpädagogik in Deutschland in jüngerer Zeit eine paradigmatische Erweiterung ihrer Diskurse und Methoden erfahren, sondern auch eine weitere Schnittstelle zur internationalen Forschung gefunden.

Zentrale Fragen nach dem Kompetenzbegriff, der Kompetenzorientierung, der Frage, wie sich Kompetenzen bestimmen und modellieren lassen, wie schwierigkeitsbestimmende Aufgabeneigenschaften vor dem Hintergrund bestehender kognitiver Modelle überführt werden können, charakterisieren die Leistungsdiagnostik ebenso wie die Fragen nach dem Einsatz von Assessments und der Leistungsrückmeldung. Diesen und weiteren Fragen widmet sich die Vorlesung, die einen Überblick über das Teilgebiet der musikalischen Leistungsdiagnostik geben und einen Schwerpunkt auf die Kompetenztest- und Aufgabenentwicklung setzen möchte.

Die Vorlesung wendet sich an Studierende aller Studiengangsrichtungen. Der erfolgreiche Abschluss der Vorlesung geht mit dem regelmäßigen Besuch und einer aktiven Teilnahme im veranstaltungsbegleitenden e-learning-Kurs einher.

Wochentag und Uhrzeit: Dienstags, 14 – 16 Uhr

Raum: 8.34 

Beginn: 09.10.2018

Umfang ECTS: 2