Hauptseminare Musikpädagogik

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Donnerstag, 9 – 11 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 11.10.2018

 

Dieses Seminar ist für Studierende im BA LA Gym mit Musik wahlweise als Hauptseminar Musikpädagogik anrechenbar oder im Bereich Wahl Wissenschaft für Musikpädagogik.[4 ECTS]

 

Juni 1935 in Straßburg – in die Handgreiflichkeiten zwischen Kulturbürgern und Vertretern der Arbeitermusikbewegung muss die Polizei eingreifen, einer der Redner wird in Gewahrsam genommen, das Platzkonzert am Abend verboten. Wer hatte gesprochen? Der Komponist Hanns Eisler. Was hatte er gefordert? Dass sich die Komponisten der Gesellschaft und ihrem Kampf für Brot, Freiheit und gegen Unterdrückung verpflichtet fühlen müßten. Warum löste seine Rede einen solchen Tumult aus?

Die Erste Arbeitermusikolympiade markiert einen der letzten Höhepunkte in der Geschichte der Arbeiterkulturbewegung der Weimarer Republik. Europaweit entsteht diese Emanzipationsbewegung, die sich in so unterschiedlichen Bereichen wie Körperkultur, Theater, Musik und Literatur äußerte, schon um die Jahrhundertwende. Es gelingt ihr im Laufe der Zeit, immer mehr namhafte  Kulturschaffende ganz unterschiedlicher Herkunft zu gemeinsamen Aktionen und zu kulturpädagogischem Engagement zusammenzuführen, bis die Machtergreifung der Nationalsozialisten ihren Aktionsradius mehr und mehr einschränkt, so dass schließlich nur die kommunistische Parallelbewegung handlungsfähig bleibt, die in den osteuropäischen Ländern  in Form von Spartakiaden den Zweiten Weltkrieg noch lange Zeit überlebt. 

In welchem Maße wurden Sportler und Kunstschaffende für politische Zwecke instrumentalisiert? In welchem Maß konnte die Kunst politisch wirksam werden? Welche Formen musikpädagogischer Arbeit außerhalb der Institution Schule lassen sich erkennen und wie wurden sie von wem eingesetzt? Welche Merkmale kennzeichnen die pädagogische Arbeit auffällig wirkungsvoller Kulturschaffender in diesem Aufgabenfeld?

Die Arbeit im Seminar soll Ihnen ermöglichen, sich mit einer kulturpolitischen Bewegung über Quellenstudien und Analyse musikalischer Werke auseinanderzusetzen, in gemeinsamer Forschungsarbeit mehr über die Netzwerkarbeit und die kulturpädagogische Wirksamkeit der künstlerischen Projekte auf ganz unterschiedlichen Ebenen herauszufinden und Ihren Erkenntnisprozess im Rahmen einer fortlaufend zu ergänzenden Dokumentation (Portfolio) schriftlich festzuhalten. Das parallel entstehende Portfolio ersetzt eine abschließende Hausarbeit.

In einem dritten Abschnitt des Seminars wird auf der Basis unserer bis dahin historisch fundierten Überlegungen ein Blick auf vergleichbare musikpädagogische und musikvermittelnde Ansätze der Gegenwart geworfen, um auf diese Weise zunächst in der Rückschau die besonderen Merkmale der Arbeitermusikbewegung besser zu erfassen, dann aber vor allem, um den Prozeß des Wiederaufgreifens und Fortführens der im Grunde hundert Jahre alten Ideen zu beobachten.

 

Literatur (zum Hineinlesen): van der Will, Wilfried; Burns, Rob (1982): Arbeiterkulturbewegung in der Weimarer Republik. Frankfurt/M.; Berlin; Wien: Ullstein

Reflexion und Analyse von Musikunterricht durch Unterrichtsvideos

 

Dr. Christiane Lenord

Montag, 10-12 Uhr (c.t.), Raum 8.34

Beginn: 15.10.2018

 

Die Fähigkeit Unterricht kritisch reflektieren zu können ist eine wesentliche Voraussetzung für jede Lehrperson. Der Einsatz von Unterrichtsvideos kann dabei helfen diese Fähigkeit zu entwickeln, indem aufgezeichnete Interaktionen im Unterricht zu jedem beliebigen Zeitpunkt erneut abgerufen und unter verschiedenen Blickwinkeln reflektiert und analysiert werden können. Damit können Unterrichtsvideos eine hilfreiche Brücke sein, um die theoretischen Zugänge zu musikdidaktischen Fragestellungen unmittelbar auf Beispiele aus der Unterrichtspraxis zu beziehen.

In einem Kooperationsseminar mit Musikstudierenden (Lehramt) der HMT Leipzig und den Universitäten Dortmund und Wuppertal werden wir uns, verbunden über eine gemeinsame Online-Plattform, damit beschäftigen, welche musikdidaktischen Fragestellungen relevant für die Reflexion und Analyse von Musikunterricht sein können. Dabei werden wir aktuelle Forschungsergebnisse und grundlegende musikdidaktische Literatur auf neu erstellte Unterrichtsvideos anwenden und hinterfragen.