Hauptseminare Musikpädagogik

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Umgang mit und Zugang zu Musik unserer Gegenwart [4 ECTS]

Donnerstag, 9 – 11 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 10.10.2019

Dieses Angebot ist für Studierende im BA LA Gym mit Musik anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA und MA für Musikpädagogik. 

Gegenwart, das Zeitintervall zwischen Vergangenheit und Zukunft, stellt für den Unterricht eine beständige Herausforderung dar. Was wir vermitteln, entstammt der Vergangenheit, wofür es relevant sein sollte, ist die Zukunft. Irgendwo dazwischen verortet sich die Gegenwart, innerhalb derer wir unterrichten. Für die Vermittlung besonders angenehm sind Inhalte, bei denen wir einerseits schon auf gesammeltes, gesichtetes und interpretatorisch eingeordnetes Material, andererseits aber noch auf Erfahrungen oder zumindest ein gewisses Vorwissen zurückgreifen können. Sobald wir uns aber mit Inhalten unserer Gegenwart beschäftigen, stellen sich Fragen dringlicher wie bspw. die nach dem Gewinnen und der Absicherung von Informationen, nach dem Gegenstand angemessenen Methoden als Basis für die Untersuchung, nach Begründungen dafür, warum es zukunftsrelevant sein soll, Zeit in die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand zu investieren – wir vermissen Angebote zur Orientierung, die wir sonst in der Literatur finden.

Diese hier nur skizzierte Situation ist ein wesentlicher Grund dafür, weshalb unsere Gegenwart in der Schule eine so erschreckend geringe Rolle spielt. Sie ist der Zeitraum, über den Schüler am wenigsten erfahren, allerdings (und zu Recht) beständig und vehement einfordern.

Wenn wir etwas an dieser Situation ändern möchten, sollten wir jetzt, bei uns und unserer Gegenwart, anfangen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam und im Dialog mit Kollegen und Studierenden der Hochschule mehr über individuelle Zugangs- und Umgangsweisen mit Musik unserer Gegenwart herausfinden. Dazu soll in dieser ersten Phase in jeder Sitzung ein Gast und dessen Musik seiner (und unserer) Gegenwart zur Diskussion anregen. In einer zweiten Phase wird  es unsere Aufgabe sein darüber nachzudenken, in welcher Weise sich die so gewonnenen Anregungen in konkretes unterrichtliches Handeln überführen lassen. Im besten Fall entsteht daraus eine anregende Materialsammlung, Sie lernen Musik neu oder anders kennen, erweitern ihr Methodenrepertoire und üben sowohl mündliche als auch schriftliche Reflexion. 

Zwar ist jede Gegenwart neu, nie zuvor dagewesen, aber die Frage, die wir uns mit diesem Seminar stellen, ist nicht neu, so dass wir für jede Phase durchaus auf Literatur zurückgreifen können, die unsere Arbeit unterstützt und aus der wir Anregungen beziehen werden. Die Seminarbibliothek setzt sich aus Präsenzbänden in meinem Handapparat in der Bibliothek der Hochschule und elektronisch zur Verfügung gestellten Zusatzmaterialien zusammen, zu denen Sie mit der Anmeldung zum Seminar im LMS Zugang erhalten.

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

„Das didaktische Problem der subjektiven Irritation“ (R. Kruck) –  Konstruktivistisches Denken in musikpädagogischen Publikationen  [4 ECTS]

Montag, 14 – 16 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 14.10.2019

Dieses Angebot ist für Studierende im BA LA Gym mit Musik anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA und MA für Musikpädagogik. 

Nachdem sich die Soziologie, die pädagogische Psychologie und vor allem die Pädagogik mit Formen konstruktivistischen Denkens auseinandergesetzt hatten, „erreichte die Konstruktivismus-Welle [schließlich] auch die Musikpädagogik“, wie Heinz Geuen im Jahr 2008 bemerkte.

Tatsächlich bieten sich, ausgehend von dem erkenntnistheoretischen Denkmuster, dass sich jede(r) Einzelne von uns die individuelle Repräsentation von Welt in einem beständigen Prozess immer wieder neu konstruiert, eine Fülle faszinierend neuer Perspektiven. In der Musikpädagogik sind insbesondere im Bereich der Lernforschung und der Fachdidaktik anregende, lesenswerte Publikationen auf den Markt gekommen, wie bspw. die Dissertation von Martina Krause-Benz, die sich in „Bedeutung und Bedeutsamkeit“ mit Interpretation von Musik im Rahmen des Musikunterrichts auseinandersetzt, oder die ebenfalls an schulischer Praxis orientierte Arbeit von Nina Dyllik. Sie untersucht Vokalpraxis in der Schule daraufhin, wie sich eine systemisch-konstruktivistische Perspektive auf die Singedidaktik auswirkt.

Wie immer, wenn man sich in eine Theorie einarbeitet, erscheint das Fachvokabular zunächst sperrig. Hinzu kommt, dass die Ausbreitung gerade philosophisch geprägter Gedanken immer ein wenig mehr Platz in Anspruch nimmt, soll heißen: es erwarten Sie etwas umfangreichere und recht anspruchsvolle Texte, die dem Seminar zugrunde liegen. Um den Arbeitsaufwand erträglich zu gestalten, schlage ich eine Mischung aus vorbereiteten Impulsreferaten mit Anschlussdiskussion und Phasen gemeinsamer Auseinandersetzung mit besonders komplexen Textabschnitten vor. In jedem Fall sollte die Beschäftigung mit Aspekten konstruktivistischen Denkens in der Musikpädagogik in Ihren längeren schriftlichen Ausarbeitungen münden, die während des Semesters begonnen und begleitet, danach aber gerne in den Semesterferien fertiggestellt werden dürfen.

Ergänzend zu einem kleinen Handapparat in der Bibliothek der Hochschule erhalten Sie mit der Anmeldung zum Seminar über das LMS sofort auch Zugang zu den dort eingestellten Materialien, so dass Sie sich schon vorab ein wenig einlesen können, wenn Sie mögen. 

Reflexion und Analyse von Musikunterricht durch Unterrichtsvideos

 

Dr. Christiane Lenord

Montag, 10-12 Uhr (c.t.), Raum 8.34

 

Die Fähigkeit Unterricht kritisch reflektieren zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung für jede Lehrperson. Der Einsatz von Unterrichtsvideos kann dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln, indem aufgezeichnete Interaktionen im Unterricht zu jedem beliebigen Zeitpunkt erneut abgerufen und unter verschiedenen Blickwinkeln reflektiert und analysiert werden können. Damit können Unterrichtsvideos eine hilfreiche Brücke sein, um die theoretischen Zugänge zu musikdidaktischen Fragestellungen unmittelbar auf Beispiele aus der Unterrichtspraxis zu beziehen.

Im Sommersemester beschäftigen wir uns damit, welche musikdidaktischen Fragestellungen relevant für die Reflexion und Analyse von Musikunterricht sein können. Dabei werden wir aktuelle Forschungsergebnisse und grundlegende musikdidaktische Literatur auf neu erstellte Unterrichtsvideos anwenden und hinterfragen. Um eine tiefergehende Reflexion anzustoßen werden Sie Gelegenheit haben, eigene kleine Kurzfilme (sogenannte Analytical Shortfilms), anhand theoretisch ausgewählter fachdidaktischer Analyseschwerpunkte, zu erstellen. iPads zum Schneiden der Filme stehen für dieses Seminar bereit.