Hauptseminare Musikpädagogik

Neue Musik fordert Neue-Musik-Pädagogik (SoS 2020)

Prof. Dr. Sointu Scharenberg 

Donnerstag, 14 – 16 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 26.03.2020

 

Anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik im BA LA Gym oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA oder MA für Musikpädagogik[4 ECTS]

 

„Ich strebe an: vollständige Befreiung von allen Formen. Von allen Symbolen des Zusammenhangs und der Logik. Also: weg von der ,motivischen Arbeit‘. Weg von der Harmonie als Zement oder Baustein einer Architektur. Harmonie ist Ausdruck und nichts anderes […]. Weg vom Pathos! Meine Musik muss kurz sein. Knapp! In zwei Noten: nicht bauen, sondern, ausdrücken‘!!“     

(Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni, ca. 13.8.1909)

 

Dieses Motto, das Andreas Meyer seiner Vorlesung voranstellt, soll auch Anregung und Auftrag gleichermaßen für unser Seminar sein. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich nach Lösungen suchen, um diesem Credo eine angemessene musikpädagogische Antwort zu geben, denn eine Musik, die nach dem Wesen des Klangs fragt, die den Ausdruck fordert und die Macht tradierter Regeln in Frage stellt, müsste doch vom Grundsatz her SchülerInnen entgegenkommen, die solche einengenden Traditionen zwar aus anderen Gründen aber oft ebenso vehement ablehnen. 

Welche Wege kann eine Musikdidaktik gehen, die nicht zuerst nach motivischer Arbeit fragt? Gelingt es uns, andere Zugangsweisen zu finden, die zunächst uns selbst und später vielleicht unseren Schülern die Ohren auf andere Art und Weise oder auch für Anderes öffnen, weil die Schritte weniger vorgezeichnet, unsere Entscheidungen individueller zu treffen, die Ergebnisse seltener vorhersehbar sind?

Seit den späten 60er Jahren haben Komponisten (wie Dieter Schnebel), Musiker (wie Hans Darmstadt) und Musikpädagogen (wie Walter Sons) unterschiedliche Zugangsweisen zur Neuen Musik erprobt und veröffentlicht, die Arbeit mit Klang im Raum oder das Erforschen von Materialien ins Zentrum stellten. Einen anderen Zugang zu Neuer Musik, geprägt von der Idee eines Verstehens von Kunst durch Kunst, suchte um die Jahrtausendwende herum eine Gruppe Wiener Musikpädagogen, die das Konzept „kunst der stunde“ entwarf. Diese und andere Ansätze sind anregend, sie können dazu beitragen, selbst mutiger zu denken.

Für dieses Seminar stelle ich mir eine Dreiteilung vor, indem wir zunächst an ein frühes Werk Neuer Musik möglichst unkonventionell heranzugehen versuchen und unsere Ergebnisse kritisch hinterfragen. In einem zweiten Schritt sollen ausgewählte Methoden zur Vermittlung Neuer Musik kennen gelernt, erprobt und diskutiert werden, bevor in einem dritten Schritt wiederum das Aufsuchen und Ausprobieren im Vordergrund stehen soll, dann aber weder unter der Vorgabe, zwingend unkonventionell sein zu sollen, noch sich einer bereits existierenden Methode anschließen zu müssen, sondern indem Sie Ihren jeweiligen Weg der Vermittlung aus der Individualität der Werkes oder einer für das Werk paradigmatischen Besonderheit ableiten und begründen. Beschreibung der Auswahl, Durchführung und Diskussion Ihrer Ergebnisse in schriftlicher Form ergeben Ihre Hausarbeiten zum Abschluss des Seminars.

 

Literatur zum Einstieg 

Franz Niermann; Christine Stöger (Hg.): Aktionsräume – Künstlerische Tätigkeiten in der Begegnung mit Musik. Modelle – Methoden – Materialien. UE: Wien 1997.

Prof. Dr. Sointu ScharenbergSara Jocković

Umgang mit und Zugang zu Musik unserer Gegenwart (WS 19/20)

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Umgang mit und Zugang zu Musik unserer Gegenwart [4 ECTS]

Donnerstag, 9 – 11 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 10.10.2019

Dieses Angebot ist für Studierende im BA LA Gym mit Musik anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA und MA für Musikpädagogik. 

Gegenwart, das Zeitintervall zwischen Vergangenheit und Zukunft, stellt für den Unterricht eine beständige Herausforderung dar. Was wir vermitteln, entstammt der Vergangenheit, wofür es relevant sein sollte, ist die Zukunft. Irgendwo dazwischen verortet sich die Gegenwart, innerhalb derer wir unterrichten. Für die Vermittlung besonders angenehm sind Inhalte, bei denen wir einerseits schon auf gesammeltes, gesichtetes und interpretatorisch eingeordnetes Material, andererseits aber noch auf Erfahrungen oder zumindest ein gewisses Vorwissen zurückgreifen können. Sobald wir uns aber mit Inhalten unserer Gegenwart beschäftigen, stellen sich Fragen dringlicher wie bspw. die nach dem Gewinnen und der Absicherung von Informationen, nach dem Gegenstand angemessenen Methoden als Basis für die Untersuchung, nach Begründungen dafür, warum es zukunftsrelevant sein soll, Zeit in die Auseinandersetzung mit dem Gegenstand zu investieren – wir vermissen Angebote zur Orientierung, die wir sonst in der Literatur finden.

Diese hier nur skizzierte Situation ist ein wesentlicher Grund dafür, weshalb unsere Gegenwart in der Schule eine so erschreckend geringe Rolle spielt. Sie ist der Zeitraum, über den Schüler am wenigsten erfahren, allerdings (und zu Recht) beständig und vehement einfordern.

Wenn wir etwas an dieser Situation ändern möchten, sollten wir jetzt, bei uns und unserer Gegenwart, anfangen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam und im Dialog mit Kollegen und Studierenden der Hochschule mehr über individuelle Zugangs- und Umgangsweisen mit Musik unserer Gegenwart herausfinden. Dazu soll in dieser ersten Phase in jeder Sitzung ein Gast und dessen Musik seiner (und unserer) Gegenwart zur Diskussion anregen. In einer zweiten Phase wird  es unsere Aufgabe sein darüber nachzudenken, in welcher Weise sich die so gewonnenen Anregungen in konkretes unterrichtliches Handeln überführen lassen. Im besten Fall entsteht daraus eine anregende Materialsammlung, Sie lernen Musik neu oder anders kennen, erweitern ihr Methodenrepertoire und üben sowohl mündliche als auch schriftliche Reflexion. 

Zwar ist jede Gegenwart neu, nie zuvor dagewesen, aber die Frage, die wir uns mit diesem Seminar stellen, ist nicht neu, so dass wir für jede Phase durchaus auf Literatur zurückgreifen können, die unsere Arbeit unterstützt und aus der wir Anregungen beziehen werden. Die Seminarbibliothek setzt sich aus Präsenzbänden in meinem Handapparat in der Bibliothek der Hochschule und elektronisch zur Verfügung gestellten Zusatzmaterialien zusammen, zu denen Sie mit der Anmeldung zum Seminar im LMS Zugang erhalten.

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Reflexion und Analyse von Musikunterricht durch Unterrichtsvideos (SoSe 2019)

Reflexion und Analyse von Musikunterricht durch Unterrichtsvideos

 

Dr. Christiane Lenord

Montag, 10-12 Uhr (c.t.), Raum 8.34

 

Die Fähigkeit Unterricht kritisch reflektieren zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung für jede Lehrperson. Der Einsatz von Unterrichtsvideos kann dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln, indem aufgezeichnete Interaktionen im Unterricht zu jedem beliebigen Zeitpunkt erneut abgerufen und unter verschiedenen Blickwinkeln reflektiert und analysiert werden können. Damit können Unterrichtsvideos eine hilfreiche Brücke sein, um die theoretischen Zugänge zu musikdidaktischen Fragestellungen unmittelbar auf Beispiele aus der Unterrichtspraxis zu beziehen.

Im Sommersemester beschäftigen wir uns damit, welche musikdidaktischen Fragestellungen relevant für die Reflexion und Analyse von Musikunterricht sein können. Dabei werden wir aktuelle Forschungsergebnisse und grundlegende musikdidaktische Literatur auf neu erstellte Unterrichtsvideos anwenden und hinterfragen. Um eine tiefergehende Reflexion anzustoßen werden Sie Gelegenheit haben, eigene kleine Kurzfilme (sogenannte Analytical Shortfilms), anhand theoretisch ausgewählter fachdidaktischer Analyseschwerpunkte, zu erstellen. iPads zum Schneiden der Filme stehen für dieses Seminar bereit.

Dr. Christiane Lenord