Hauptseminare Musikpädagogik

Musikunterricht neu denken! (WS 2021/22)

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Blockseminar mit Exkursion

Mittwoch,     6.  Oktober 2021, 13 – 14 Uhr, Raum 8.34

Donnerstag, 21. Oktober 2021, 13 – 16 Uhr, Raum 8.34

Exkursion nach Potsdam (ganztägig) Freitag, 29.10.2021/Samstag 30.10.2021

Donnerstag, 11. November 2021, 13 – 16 Uhr, Raum 8.34

Anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik im BA LA Gym oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA oder MA für Musikpädagogik. [4 ECTS]

Anmeldung ab sofort via Mail an: sointu.scharenberg@hmdk-stuttgart.de

Liste nach Eingang der Anmeldungen, eine Nachrückerliste wird erstellt.

Mit seiner Schrift Musikerziehung und Musikpflege leitete Leo Kestenberg 1921 eine fundamentale Neubestimmung des Musikunterrichts ein, die unser Fach- und Professionsverständnis bis heute entscheidend geprägt hat. Da sich in den vergangenen 100 Jahren die gesellschaftlichen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen jedoch stark gewandelt haben, laden der Bundesverband Musikunterricht (BMU) gemeinsam mit der Internationalen Leo Kestenberg-Gesellschaft zu einer gemeinsamen Fachtagung in Potsdam ein, die dazu anregen möchte, vor dem Hintergrund der Kestenbergschen Konzeption eine kritische Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation des schulischen Musikunterrichts vorzunehmen.

Unter sechs Fragestellungen sollen Kestenbergs Reformideen im Rahmen einer zweitägigen Arbeitstagung einer aktualisierenden Würdigung unterzogen werden, um so Aufschluss über die Möglichkeiten eines zeitgemäßen Musikunterichts zu gewinnen.

Ich möchte Ihnen anbieten, als aktive TeilnehmerInnen an diesem Fachkongress gemeinsam mit ReferendarInnen, MusiklehrerInnen, Hochschullehrenden und Mitgliedern der Kestenberg-Gesellschaft in den jeweils 15 Personen umfassenden Arbeitsgruppen mitzuwirken. Aufgrund covid 19-bedingter Beschränkung der Teilnehmerzahl ist eine Voranmeldung nötig, diese habe ich für 6 TeilnehmerInnen unserer Hochschule (je Arbeitsgruppe eine/r) bestätigt bekommen, entsprechend können nur 6 Studierende aus unserem Haus an der Exkursion teilnehmen. Es wird eine Nachrückerliste geben, falls die Tagung im Herbst doch für mehr Personen geöffnet werden darf als jetzt abzusehen ist oder falls Studierende, die an der Exkursion teilnehmen wollten, kurzfristig ausfallen.

Aktuelle Informationen finden Sie unter https://www.bmu-musik.de/projekte/fachtagung-potsdam-2021/, die Teilnahme selbst ist gebührenfrei, die Universität Potsdam bemüht sich um Unterbringung unserer Studierenden bei Musikstudierenden vor Ort, so dass nur die Fahrkosten für Sie anfallen.

Selbstverständlich wird der Fachkongress selbst im Zentrum unseres Seminars stehen. Damit Sie gut vorbereitet hinzustoßen, treffen wir uns zu einer kurzen ersten Information, es folgt eine weitere Sitzung zur inhaltlichen Vorbereitung der Tagung und eine nachbereitende Sitzung. Der Leistungsnachweis erfolgt in Form einer wissenschaftlichen Hausarbeit zur Reflexion des von Ihnen gewählten Tagungsschwerpunkts. 

Literatur zum Einstieg: Leo Kestenberg (1921): Musikerziehung und Musikpflege, in: Gesammelte Schriften, Bd. 1, S. 21-148, der Text wird in Moodle bereitgestellt.

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Neue Musik fordert Neue-Musik-Pädagogik (WS 2021/22)

Prof. Dr. Sointu Scharenberg

Montag, 14 – 16 Uhr, Raum 8.34

Beginn: 11.10.2020

Anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik im BA LA Gym oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA oder MA für Musikpädagogik. [4 ECTS]

„Ich strebe an: vollständige Befreiung von allen Formen. Von allen Symbolen des Zusammenhangs und der Logik. Also: weg von der ,motivischen Arbeit‘. Weg von der Harmonie als Zement oder Baustein einer Architektur.“ 

                               (Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni, ca. 13.8.1909)

Dieses Motto, das Andreas Meyer vor gut einem Jahr seiner Vorlesung voranstellte, soll nun auch Anregung und Auftrag gleichermaßen für unser Seminar sein. Gemeinsam mit Ihnen möchte ich nach Lösungen suchen, um diesem Credo eine angemessene musikpädagogische Antwort zu geben, denn eine Musik, die nach dem Wesen des Klangs fragt, die den Ausdruck fordert und die Macht tradierter Regeln in Frage stellt, müsste doch vom Grundsatz her SchülerInnen entgegenkommen, die solche einengenden Traditionen zwar aus anderen Gründen aber oft ebenso vehement ablehnen. 

Welche Wege kann eine Musikdidaktik gehen, die nicht zuerst nach motivischer Arbeit fragt? Gelingt es uns, andere Zugangsweisen zu finden, die zunächst uns selbst und später vielleicht unseren Schülern die Ohren auf andere Art und Weise oder auch für Anderes öffnen, weil die Schritte weniger vorgezeichnet, unsere Entscheidungen individueller zu treffen, die Ergebnisse seltener vorhersehbar sind?

Seit den späten 60er Jahren haben Komponisten (wie Dieter Schnebel), Musiker (wie Hans Darmstadt) und Musikpädagogen (wie Walter Sons) unterschiedliche Zugangsweisen zur Neuen Musik erprobt und veröffentlicht, die Arbeit mit Klang im Raum oder das Erforschen von Materialien ins Zentrum stellten. Einen anderen Zugang zu Neuer Musik, geprägt von der Idee eines Verstehens von Kunst durch Kunst, suchte um die Jahrtausendwende herum eine Gruppe Wiener Musikpädagogen, die das Konzept „kunst der stunde“ entwarf. Diese und andere Ansätze sind anregend, sie können dazu beitragen, selbst mutiger zu denken.

Für dieses Seminar stelle ich mir eine Dreiteilung vor, indem wir zunächst an ein frühes Werk Neuer Musik möglichst unkonventionell heranzugehen versuchen und unsere Ergebnisse kritisch hinterfragen. In einem zweiten Schritt sollen ausgewählte Methoden zur Vermittlung Neuer Musik kennen gelernt, erprobt und diskutiert werden, bevor in einem dritten Schritt wiederum das Aufsuchen und Ausprobieren im Vordergrund stehen soll, dann aber weder unter der Vorgabe, zwingend unkonventionell sein zu sollen, noch sich einer bereits existierenden Methode anschließen zu müssen, sondern indem Sie Ihren jeweiligen Weg der Vermittlung aus der Individualität der Werkes oder einer für das Werk paradigmatischen Besonderheit ableiten und begründen. Eine Beschreibung der Auswahl, Durchführung und Diskussion Ihrer Ergebnisse in schriftlicher Form ergeben Ihre Hausarbeiten zum Abschluss des Seminars.

Literatur zum Einstieg: Franz Niermann; Christine Stöger (Hg.): Aktionsräume – Künstlerische Tätigkeiten in der Begegnung mit Musik. Modelle – Methoden – Materialien. UE: Wien 1997.

Prof. Dr. Sointu Scharenberg
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(In) Musikpädagogik komparativ denken

Donnerstag, 14 – 16 Uhr, Online-Veranstaltung - synchron (ggf. Raum 8.34)

Beginn: 01.04.2021 

Anrechenbar als Hauptseminar Musikpädagogik im BA LA Gym oder im Bereich Wahl Wissenschaft des BA oder MA für Musikpädagogik. [4 ECTS]

Ein recht junges Forschungsgebiet der Musikpädagogik fragt nach Anregungen, die sich z.B. aus dem Vergleich mit anderen Systemen ergeben. Sein Name – „Komparative Musikpädagogik“ – führt dabei selbst arrivierte KollegInnen manchmal  in die Irre (vgl. DMP 2013, H 60), denn es ist keinesfalls ‚eine Sparte‘ der Disziplin Musikpädagogik, auch haben wir es nicht ausschließlich mit der Methode des Vergleichs zu tun und es handelt sich auch nicht um eine andere Bezeichnung für Interkulturelle Muskpädagogik. Was verbirgt sich aber dann dahinter?

Komparative Musikpädagogik nutzt Methoden und Denkweisen der ethnographischen Disziplinen, wobei latent der Vergleich mit dem, was wir kennen oder gewohnt sind, erwarten oder leben, mitgedacht werden muss, weshalb anders als in anderen Settings die komparative Musikpädagogik den Forscher selbst mit einbezieht. Seine Perspektive entscheidet wesentlich mit über die Interpretation, daher muss er Rechenschaft über alle Parameter ablegen, die er aktiv in die Arbeit einbringt, schließt sie danach aber nicht aus. Komparative Musikpädagogik ist zudem ein „primär kulturell determiniertes Diskursfeld“ (vgl. Straub 1991), was zur Folge hat, dass nicht nur der Musikunterricht selbst, sondern dessen Einbindung in kulturtheoretische, -philosophische, -politische und -pädagogische Zusammenhänge wesentlich wird.

Ich möchte Ihnen im Sommersemester 2021 Einblick in komparative Forschung geben, die – allerdings aus ganz unterschiedlichen Beweggründen – bei internationalen Vergleichen ansetzt. 

Wir werden sowohl mit (z.T. historischen) Unterrichtsberichten arbeiten als auch mit aktuellen Videos, so dass sich bestenfalls in einem großen Spektrum eröffnen sollte, welche Bedingungen dazu führen, dass Unterricht in bestimmter Art und Weise gestaltet wird. Dabei ergeben sich zwar sicherlich Anregungen für Ihre eigene Arbeit, doch ist das Seminar nicht zwingend fachdidaktisch ausgerichtet, sondern führt in die Methode und mögliche Anwendungsbereiche ein. 

Um Zugang zu (den mindestens zu Beginn online gehaltenen Sitzungen und) allen Materialien zu erhalten, melden Sie sich bitte über den gleichnamigen e-Learning-Kurs als TeilnehmerIn an.

Literatur zum Einstieg: Bernd Clausen: Komparativ – Vergleichend – International. Zu einem Forschungsparadigma Wissenschaftlicher Musikpädagogik. In: ders. u.a. (Hg.) (2016): Grundlagentexte Wissenschaftlicher Musikpädagogik. Begriffe, Positionen, Perspektiven im systematischen Fokus. Waxmann: Münster; New York, S. 107-156

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