Die analytische Beschäftigung mit dem Kunstlied um 1900 verbleibt häufig bei den kanonisierten Komponisten wie Hugo Wolf oder Richard Strauss – und verstellt damit den Blick auf die Vielfalt der Liedkompositionen zur Jahrhundertwende. Das Seminar erweitert den Blick und widmet sich insbesondere Werken von Komponistinnen wie Alma Mahler-Werfel, Cécile Chaminade, Pauline Viardot-García und Amy Beach. An ausgewählten Liedern erproben die Studierenden verschiedene Analysemethoden und verknüpfen diese mit Fragen zur musikalischen Hermeneutik und Interpretationsentscheidungen. Im Fokus stehen dabei die chromatische Harmonik an der Grenze der Tonalität, die Ausdifferenzierung von Instrumentierung und Register, die melodische Expressivität sowie experimentelle Formkonzepte zwischen radikaler Kürze und Übersteigerung.