
Die Vorlesung beginnt mit den ältesten erhaltenen Zeugnissen menschlicher Musikpraxis überhaupt und thematisiert sodann (in einem ersten Schwerpunkt) die Musikpraxis und -theorie der klassischen Antike. Die griechische Musiktheorie ist in ihrer spätantiken Überlieferung wegweisend für die europäische Musikgeschichte gewesen (pythagoreisches Tonsystem, Ethoslehre, Sphärenharmonie u.a.). Auch der römische Choral bzw. seine Verbreitung und Kanonisierung gehört zu den elementaren Grundlagen der „abendländischen“ Musik. Aus diesem Zusammenhang lassen sich u.a. die Anfänge der Mehrstimmigkeit und des Kontrapunkts verstehen.
Die Notre-Dame-Schule um 1200 erweitert die Choralbearbeitung bis hin zur Drei- und Vierstimmigkeit und erreicht – im sakralen Raum der gotischen Kathedralkirchen – geradezu hypnotische Klangwirkungen. Im 14. Jahrhundert erfordern die rhythmischen Finessen der „Ars nova“ die Einführung und schrittweise Erweiterung der Mensuralnotation. Zum Mittelalter gehört aber auch die Musik der fahrenden Spielleute, der Troubadours und Trouvères.
Diese im musikwissenschaftlichen Überblickszyklus erste Vorlesung bietet Gelegenheit, sehr grundsätzliche Aspekte „unseres“ Musikbegriffs zu bedenken: so die Frage nach Mündlichkeit und Schriftlichkeit bzw. „ars memoria“, nach musikalischer Autorschaft und Komposition, nach Grundlagen der Notation und Stimmung, nicht zuletzt nach der Musik im „Abendland“ – was bedeutet dieser eigenartige Begriff, welche Musikkulturen sind damit gemeint und welche nicht? Wo es sich anbietet, werden Brückenschläge in die spätere Geschichte unternommen.
- Kursleitung: Prof. Dr. Andreas Meyer
- Trainer/in: Frederika Westhäußer-Kowalski