Anthony Burgess (Clockwork Orange) schrieb 1983 im The Observer very British über Edward Elgar: 

“Elgar is not manic enough to be Russian, not witty or pointilliste enough to be French, not harmonically simple enough to be Italian and not stodgy enough to be German. We arrive at his Englishry by pure elimination.”

Edward Elgar ist heute bekannt vor allem durch seine Pomp and Circumstance Marches, deren erster mit den Worten Land of Hope and Glory unterlegt ist und inoffizielle Hymne des British Empire war. Damit wurde Elgar zum „Barden eines überlebten imperialistischen Großbritannien“ abgestempelt (G. Heldt, Die Musik in Geschichte und Gegenwart). Dass der Sohn eines Musikalienhändlers noch andere Musik komponiert hat, Instrumentalmusik, die seine pompösen Orchestermärsche an künstlerischer Qualität weit übertrifft, ist dagegen kaum zur Kenntnis genommen worden: die intimen Enigma-Variationen (mit der vielleicht noch bekannten IX. Variation namens „Nimrod“), die Erste Sinfonie in der seltenen Tonart As-Dur (Athur Nikisch: „the fifth of Brahms“), die Konzerte für Cello (e-Moll) und Violine (h-Moll), das Orchesterstück Sospiri op. 70 und die an Don Quixote erinnernde „Symphonische Studie“ Falstaff; nicht weniger artifiziell ausgearbeitet sind die Kammermusikwerke, die sämtlich in Moll stehen und Pomp und Prunk naturgemäß ausschließen: das Klavierquintett in a-Moll, das Streichquartett in e-Moll sowie die Violinsonate in e-Moll.

Im Seminar werden wir analytisch untersuchen, inwieweit der Vorwurf zutrifft, Elgar habe keinen produktiven Beitrag zu avancierten Entwicklungen geleistet (wie sie zeitgleich auf dem Festland stattfanden), sein Stil bleibe spätromantisch und lehne sich an Vorbilder wie Wagner, Brahms oder Richard Strauss an. Als fortschrittlich dagegen wurde Elgars Beitrag zur Auflösung kompositorischer Verbindlichkeiten im frühen 20. Jahrhundert erkannt: der unorthodoxe, den Hörer desorientierende Umgang mit harmonischen Beziehungen, die Suspension des tonalen Zusammenhangs konventioneller Klänge, die exzentrische Gestik sowie unkonventionelle formale Strategien. Dass Elgar keine atonale Musik komponiert hat, bleibt unbestritten. So ist sein Stil wohl in der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ zu fassen (M. Gassmann in Musik-Konzepte 159), in der produktiven Mischung aus Epigonentum und Moderne.

Leistungsnachweis: Vortrag mit anschließender Diskussion