Neu in der Satzlehre der Musiktheorie des 18. und 19. Jahrhunderts (Spätbarock, Klassik und Romantik) ist die Harmonielehre (Rameau), die Melodielehre (Mattheson), die Perioden- und Formenlehre (Riepel, Koch, Marx) und die Instrumentationslehre (Berlioz). Anhand der Quellenlektüre der Traktate dieser Theoretiker und Komponisten betrachten wir die neuen „Disziplinen“ im Wandel der Theoriegeschichte (vom Generalbass zur Harmonielehre oder von der melodischen Moduslehre zur dur-molltonalen Melodiebildung) und beobachten sie an komponierten Beispielen. So gut wie ohne Vorläufer erscheint die Formenlehre in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Instrumentationslehre im 19. Jahrhundert. Dagegen erreicht die um 1600 entwickelte Figuren- und Affektenlehre im 18. Jahrhundert ihren Höhe- und Endpunkt, in der „Seconda prattica“ bei J. S. Bach.

Generell ist in diesem Zeitraum ein Wandel von der früheren Regelpoetik zur Genieästhetik zu beobachten. Die Komponisten lassen sich immer weniger von der dogmatischen Musiktheorie „bevormunden“, was der praxisbezogenen Analyse vorbildlicher Meisterwerke Auftrieb gibt. Dennoch studieren die Komponisten dieser Zeit die altbewährten Lehrwerke zu Kontrapunkt und Generalbass, woraus sich die zunehmenden Freiheiten ablesen lassen.

Leistungsnachweis: Vortrag über ein aus dem besprochenen Zeitabschnitt gewähltes Thema mit anschließender Diskussion.