Instrumente, Objekte, Artefakte der Musik: Beispiele aus der Geschichte der Organologie

Die Geschichte der Musikinstrumentenkunde birgt etliche Beispiele des Experimentierens. Diese sind oft eng verknüpft mit wechselnden Klangvorstellungen. So führten sie u.a. zur Erweiterung des Ambitus (Tasteninstrumente), zur Anwendung neuer Materialien (Flöten) und zur Chromatisierung des Tonumfangs (Trompete/Horn). Auf die Spielweise nahm dies ebenso Einfluss wie auf Kompositionsweisen und Räume der Aufführungen. Instrumentenbauer, sehr selten auch Instrumentenbauerinnen, experimentierten in vielfältiger Weise unter Einbeziehung akustischen und materialtechnischen Wissens. Als Quellen dienen uns heute Patentschriften und Veröffentlichungen in Magazinen, Instrumentenschulen und Instrumentationslehren.

Instrumente selbst können wir bei einer Exkursion ins Haus der Musik/Landesmuseum Württemberg in die Forschung einbinden. Wir erkunden gemeinsam einzelne Beispiele und entwickeln weiterreichende Fragen, die musikwissenschaftlichen Methoden mit denen benachbarter Disziplinen verbinden. 

Ablauf des Block-Seminars

Bitte melden Sie sich verbindlich bis zum 4. Mai auf dieser Plattform und mit einer Mail an: rebecca.wolf.LA@hmdk-stuttgart.de oder r.wolf@deutsches-museum.de.
Noch sind teils Präsenztermine geplant (s.u.), sollte sich dies ändern, werden Sie per Mail informiert.
Zu erbringen sind Referat und Hausarbeit.

Folgende Blocktermine sind geplant

Freitag, 12.6., 11:00 – 13:30 Uhr und 14:30 – 17:00 Uhr, virtuell

Freitag, 19.6.2020, 13:30 – 16:30 Uhr, virtuell
Samstag, 20.6.2020, 10:00 – 12:30 Uhr und 13:30 – 17:00 Uhr, virtuell

Freitag, 3.7.2020, 13:30 – 16:30 Uhr, Raum 8.34
Samstag, 4.7.2020, 09:00 – 12:30 Uhr und 13:30 – 16:30 Uhr, Haus der Musik (Landesmuseum Württemberg)


Rebecca Wolf

Beethovens Sinfonien im Kontext

Beethovens Sinfonien gelten als Meilensteine der Gattungsgeschichte. Ihre Entstehung, ihren gattungsgeschichtlichen Kontext und ihre unterschiedlichen Wirkungen näher in den Blick zu nehmen, ist das Ziel dieses Seminars. Das Erschließen neuer Formen und Dimensionen, neue Wege und auch die Reaktion des Publikums, z.B. der Vorwurf der Bizarrerie, sollen untersucht werden, dabei auch deren Nachwirkung thematisiert werden.

Prof. Dr. Joachim KremerChristoph Doser

Zyklus in der Musik

Seit dem 15. Jahrhundert finden sich in der Musikgeschichte fortwährend Bestrebungen, einzelne Stücke, Werkteile oder auch ganze Kompositionen durch motivische, musikalische oder auch dramatische Verfahren zu einem in sich geschlossenen Zyklus zu vereinen. Die dabei angewandten Verfahren sind so unterschiedlich, wie die Epochen und die Gattungen. Der hinter diesen Bestrebungen stehende Wunsch, Einzelnes in Beziehung zu einem größeren, umfassenderen Ganzen zu setzen, zieht sich wie ein roter Faden durch die abendländische Musikgeschichte. Wie sich ein musikalischer Zyklus formen kann, was die einzelnen Konzepte unterscheidet oder verbindet, soll in diesem Seminar erarbeitet werden. Zur Debatte stehen Werke u.a. von Dufay, Bach, Beethoven, Schubert, Schumann, Liszt und Schönberg.

 

 

Ablauf des Seminars

Alle verbindlich angemeldeten Teilnehmer erhalten in einem festgelegten Rhythmus Arbeitseinheiten zu beispielhaften Kompositionen in Form von Noten, Literatur, Aufnahmen sowie Hinweisen zur eigenen Auseinandersetzung. Die Bearbeitung der Arbeitseinheiten erfolgt im Selbststudium. Sofern die Technik mitspielt, werden die wichtigsten Punkte in der Gruppe gemeinsam per Video-Chat besprochen. Termine dazu werden nach Start des Seminars bekannt gegeben.

 

Der Leistungsnachweis erfolgt am Ende des Seminars durch eine Klausur oder eine mündliche Prüfung. Die Prüfungsform wird nach den in Juli geltenden äußeren Rahmenbedingungen festgesetzt.

 

Verbindliche Anmeldung bis einschließlich Montag, 29. April 2020 hier im System sowie bitte mit einer separaten Mail an info@michael-kube.de (Betreff: Anmeldung Proseminar Zyklus in der Musik)

 

Das Seminar ersetzt das angekündigte Proseminar Die Mannheimer Hofkapelle, das im kommenden Sommersemester 2021 mit Exkursion nachgeholt wird.

 

 

PD Dr. Michael Kube

Texte zur Musik. Lesen, verstehen, interpretieren

Musikgeschichte besteht nicht nur aus Kompositionen, sondern auch aus begleitenden oder sie sogar formenden Texten – von (auto)biographischen Darstellungen über Analysen bis hin zu ästhetischen Positionen und Reflexionen. Vielfach transportieren sie somit explizit den Standpunkt des Autors – und müssen daher im jeweiligen Kontext gelesen, verstanden und interpretiert werden. Die für das Seminar ausgewählten Texte stammen aus mehr als 300 Jahren Musikgeschichte.

Da unter den gegebenen Umständen gemeinsame Präsenzveranstaltungen nicht möglich sind, bietet das Seminar Raum zum Selbststudium (Lektüre) wie auch zur Erweiterung der eigenen Schreibfähigkeiten.

 

Ablauf des Seminars

Alle verbindlich angemeldeten Teilnehmer erhalten in einem festgelegten Rhythmus in der Länge überschaubare Quellentexte aus der Musikgeschichte als pdf. Zu festgesetzten Terminen sind dazu eigene Texte als Word-Dokument einzureichen: Eine knappe Zusammenfassung in eigenen Worten (Exzerpt) sowie eine Kontextualisierung bzw. Reflexion des Quellentextes. Ihre eigenen Texte werden zeitnah von mir durchkorrigiert und als Scan zurückgegeben. Sofern die Technik mitspielt, werden die wichtigsten Punkte in der Gruppe gemeinsam per Video-Chat besprochen. Termine dazu werden nach Start des Seminars bekannt gegeben.

Der Umfang der zu leistenden „Schreibarbeit“ entspricht insgesamt der einer normalen Proseminar-Hausarbeit. Die Bewertung erfolgt am Ende des Seminars als Durchschnittsnote der eingereichten eigenen Texte.

 

Verbindliche Anmeldung bis einschließlich Mittwoch, 29. April 2020 hier im System sowie bitte mit einer separaten Mail an info@michael-kube.de (Betreff: Anmeldung Proseminar Texte zur Musik)

 

Das Seminar ersetzt das angekündigte Proseminar Schein – Scheidt – Schütz, das im kommenden Sommersemester 2021 mit Exkursion nachgeholt wird.

PD Dr. Michael Kube

Musik und Musikpolitik im „Dritten Reich“

Kann Musik „politisch“ sein? Mit Blick auf einen Abschnitt der deutschen (Musik-)Geschichte wird diese Frage besonders vordringlich: Wie „kaum ein anderer Staat der Neuzeit“ habe sich „der NS-Staat über Kunst und Kultur [...] zu artikulieren und zu legitimieren versucht“ (B. Sponheuer). Tatsächlich wiesen die Parteistrategen der NSDAP mit dem „Reichskulturkammergesetz“ von 1933 den Künsten eine explizit politische Funktion zu: Der Kunstschaffende wurde als „öffentlicher Amtsträger“ (H. Brenner) installiert und Hitler als „erster Künstler der deutschen Nation“ (P. Graener) verehrt. Bereits 1936 wurde dieser Vorgangvon Walter Benjamin, der vor dem enormen Potential der massenmedientauglichen Künste zum Missbrauch für faschistische Propaganda zu warnen versuchte, als „Ästhetisierung der Politik“ beschrieben. Teilmoment dessen war auch die Förderung bis hin zur Unterdrückung und Zerstörung von KünstlerInnen-Biographien, insofern sie sich für die nationalsozialistische Ästhetik instrumentalisieren ließen.

Ausgehend von den Ausstellungen „Entartete Kunst“ und „Entartete Musik“ (ab 1937/38) wollen wir im Seminar zunächst der sehr grundlegenden und kontrovers diskutierten Frage nachgehen, was an Musik überhaupt politisch sein kann, um anschließend Einblick in Kulturpolitik und Musikszenen während der NS-Herrschaft zu gewinnen. Die Funktion von Musik für die Machthaber sei, so Carl Dahlhaus bereits 1984, dabei weniger in der Kompositions-, sondern vielmehr in der Interpretations- und Rezeptionsgeschichte nachzuvollziehen: Musikgeschichte im „Dritten Reich“ wäre demnach zu großen Teilen die Geschichte von Werkinterpretationen, Musikerinnen und Musikern, Konzert-, Opern- und FilmhausbesucherInnen und nicht zuletzt von Radio und Tonträgerindustrie. Insbesondere wäre jedoch auch die zu Propagandazwecken in besonderem Maße geeignete deutsche „U-Musik“- Szene – von der Operette bis hin zu (staatlich installierten) Jazz-Bands – in den Blick zu nehmen, sowie auch die Rolle der deutschen Musikwissenschaft.

Das Seminar wird im team teaching von zwei Dozierenden betreut und kann wahlweise als Haupt- oder Proseminar angerechnet werden. Der Leistungsnachweis wird für die Übernahme einer Themenpatenschaft, eine mündliche Leistung hierzu sowie für eine Hausarbeit (HS: 15– 25, PS: 812 Seiten) mit Abgabe bis zum 12. Oktober 2020 vergeben. Die Zahl der Plätze im Seminar ist auf 30 begrenzt. Um Voranmeldung über das E-Learning („Moodle“) sowie zusätzlich via Mail an frithjof.vollmer@hmdk-stuttgart.de wird gebeten.

Zur Vorbereitung empfohlen:

  • Bernd Sponheuer, Art. „Nationalsozialismus“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite, neubearb. Ausgabe, hrsg. v. Ludwig Finscher, Sachteil 7, Kassel u.a. 1997, Sp. 2543.
  • Eckhard John, Musikbolschewismus. Die Politisierung der Musik in Deutschland 1918–1938, Stuttgart / Weimar 1994.
  • Albrecht Dümling, Entartete Musik. Dokumentation und Kommentar zur Düsseldorfer Ausstellung von 1938, Düsseldorf 1993.
Prof. Dr. Joachim KremerFrithjof Vollmer