Die systematische Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten stellt die Musik vor ein Problem. Einerseits entzieht sie sich der Darstellung. Andererseits lässt sich der Holocaust nicht einfach ignorieren und es gibt ein deutliches Interesse verschiedener Komponist:innen, dieses Thema aufzugreifen. Kompositionen, die die Shoa thematisieren, können Medien der Erinnerung sein, Zeugnis vom Grauen ablegen und so auch bestimmte Vorstellungen der Shoa vermitteln.
Im Seminar werden unterschiedliche kulturwissenschaftliche und philosophische Ansätze behandelt, die sich mit den Chancen und Risiken von „Holocaust-Kompositionen“ beschäftigen, und sich der musikalischen Analyse und Deutung solcher Musikstücke gewidmet. Leitende Fragen sind dabei bspw.: Welche Vorstellungen der Shoa vermitteln die Werke? Inwieweit wird das Problem der Darstellbarkeit der Shoa in den Werken reflektiert?
- Kursleitung: Adrian Alban
Bis heute neigt die Literatur zur afrikanischen Musik dazu, vom musizierenden Individuum zu abstrahieren: Die Rede ist von Preisgesängen der Mande-Völker, westafrikanischer Highlife-Musik, zentralafrikanischer Polyphonie, der Musikkultur des Königreichs von Buganda usw.
Dieses Seminar nimmt demgegenüber das gezielte künstlerische und kreative Handeln herausragender Musiker und Musikerinnen des Kontinents im Kontext der Relation von Musik, Performance, Instrument und Biografie in den Blick. Zum Seminar gehört die Teilnahme an einem abschließenden Workshop (in der letzten oder vorletzten) Semesterwoche mit dem ghanaischen Meistermusiker Kwame Osei Korankye: Hier können die Anfänge des Spiels der ghanaischen Stegharfe Seperewa praktisch und persönlich aus erster Hand erlernt werden.
Anmeldung per E-Mail auf „first come, first serve“-Basis wird empfohlen
- Kursleitung: Prof. Dr. Tobias Robert Klein
Am Anfang war die New Yorker South Bronx der 1970s. Die Teilnehmer:innen des Seminars analysieren Quellen und Diskurse des frühen HipHop und recherchieren zu den Ursprüngen von DJing, MCing, Breaking und Graffiti (mit Fokus auf die Musik). Wir nähern uns den kanonisierten Pionieren, aber auch Black und Latinx Women und anderen, weniger bekannten Figuren und Vorgänger:innen. Danach verfolgen wir den Aufstieg des HipHop zur globalen Popkultur bis hin zu seinem ‚Golden Age‘ um 1990 – mit abschließenden Abstechern in die Gegenwart. Das Seminar hat einführenden Charakter, bietet aber auch Gelegenheit zur Vertiefung von Aspekten, für die sich die Studierenden selbst entscheiden können.
- Kursleitung: Christian Bielefeldt
Proseminar
Das Altbachische Archiv. Formen, Typen, Traditionen
Dienstag, 18–20 Uhr, Raum 8.28
Beginn: 8. April 2025 ( NEU !!! )
Begrenzte Teilnehmerzahl. Einzelne Termine als Zoom.
Verbindliche Anmeldung über Moodle bis einschließlich 4. April 2025.
Für Samstag, 5. Juli 2025, ist eine ganztägige Exkursion nach Eisenach in Bach-Haus vorgesehen.
So wie Johann Sebastian Bach in der Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie genannten Genealogie Informationen festhielt, die zum Teil nur an dieser einen Stelle überliefert sind, so hat sich aus seinem Besitz auch ein Konvolut mit rund 20 geistlichen Vokalkompositionen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhalten, das auf einzigartige Weise das schöpferische Vermögen der älteren Generationen dokumentiert: das so genannte Altbachische Archiv. Diese Werke geben nicht nur Auskunft über das in der Familie verbreitete profunde handwerkliche Vermögen, sondern sie sind darüber hinaus in hohem Maße originell und ausdrucksstark – so dass noch 1775 Carl Philipp Emanuel Bach über die vom Eisenacher Johann Christoph Bach (1642–1703) stammende Kantate Es erhub sich ein Streit berichteten konnte: „Das 22stimmige Stück ist ein Meisterstück. Mein seeliger Vater hat es einmahl in Leipzig in der Kirche aufgeführt, alles ist über den Efeckt erstaunt.“ – Im Mittelpunkt des Seminars stehen die einzelnen Kompositionen des Altbachischen Archivs sowie die mit ihnen verbundenen Formen, Typen und Traditionen.
Einführende Literatur
• Peter Wollny, Geistliche Musik der Vorfahren Johann Sebastian Bachs. Das »Altbachische« Archiv, in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung (2002), S. 41–59.
• Daniel R. Melamed, J. S. Bach and the German Motet, Cambridge 2005.
- Kursleitung: Prof. Dr. Michael Kube
*Hinweis: Der erste Termin wurde verschoben auf den 4.4. (11–15 Uhr, Raum 08.34)*
"Voice's source is not the singer; it is the listener." Entsprechend dieser Feststellung Nina Eidsheims beschäftigen wir uns im Seminar mit Vorbedingungen und Praktiken des Hörens. Welchen Einfluss haben Hörbiografien auf die Einordnung neuer Eindrücke? Welche kulturellen Differenzen zeigen sich in der Antizipation von Stimmklängen – etwa einer alten, einer femininen, einer dominanten Stimme? Ausgehend von genderwissenschaftlicher Stimmforschung betrachten wir den Wandel von Klangparadigmen auf der Opernbühne bis zu geschlechtlich kodierten KI-Stimmen. In wiederkehrenden Praxisblöcken nähern wir uns über gemeinsame Höranalysen dem eigenen Erzählen von Geschlechterhören an.
- Kursleitung: Shirley Wick
Donnerstag, 11 – 13 Uhr (c.t.), Raum 08.28
Beginn: 17. Oktober 2024
Das westafrikanische Ghana (ein heute über 30 Millionen Einwohner umfassendes Land in dem bis zu 40 verschiedene Sprachen im unterschiedlich breiten Gebrauch sind) zeichnet sich sowohl durch eine regional vielfältige Musik- und Performancekultur als auch die frühzeitige Ausbildung einer sich ihrer Erforschung widmenden afrikanischen Musikwissenschaft aus. Die Auseinandersetzung mit dem Wandel traditioneller Musik, der Ausbildung populärer Musikkulturen wie Highlife und Hiplife sowie Bestrebungen, aus divergenten Traditionen eine nationale Überlieferung zu kreieren, erfordert dabei stets das Zusammendenken historischer, sozialer, struktureller und ästhetischer Aspekte.
- Kursleitung: Prof. Dr. Tobias Robert Klein

Di 16–18 Uhr c.t., 8.04
Beginn: 15.10 (vorherige Kontaktaufnahme per e-mail erbeten)
Kein anderer Komponist hat um 1910 den Anspruch einer (später so genannten) Neuen Musik so radikal formuliert wie Arnold Schönberg. Neuartige Besetzungen, Farben und Spielweisen, „atonale“ Harmonik, kurze (Klavier-)Stücke von manchmal nur wenigen Takten Länge, im Einzelfall sogar der Verzicht auf thematische Arbeit – Schönbergs expressionistische Phase steht für einen euphorisierenden Aufbruch, wenn man so will: einen „Musikstil der Freiheit“ (Theodor W. Adorno). Zugleich bevölkern neue, teils bizarre und unheimliche Figuren seinen musikalischen Kosmos, allen voran „Pierrot lunaire“ aus Bergamo (so in den für „Sprechstimme“ komponierten Gedichten Albert Girauds).
Im Seminar erarbeiten wir musikalische Werke Schönbergs aus dieser Zeit, darunter das 2. Streichquartett, die Georgelieder, das Monodram Erwartung, die Klavierstücke op. 11 und op. 19. Wir lesen Ausschnitte aus dem theoretischen bzw. literarischen Werk der Zeit und werfen einen Blick auf Schönbergs Ausflüge in die Malerei. Die neuere Forschung erschließt unerwartete Querverbindungen zu Schönbergs „Lebenswelten“ der Zeit, sowohl im Privaten als auch in der beschleunigten Modernisierungserfahrung in Wien und Berlin vor dem Ersten Weltkrieg.
Für Ende November/ Anfang Dezember ist ein Arbeitswochenende in schöner Umgebung (z.B. auf Schloss Kapfenburg) angedacht, bei dem wir uns frei von Ablenkungen ganz einem einzelnen Werk widmen: Pierrot lunaire op. 21 (kleiner Exkursions-Eigenanteil erforderlich). Danach werden die wöchentlichen Seminarsitzungen schon vor Weihnachten beendet. Bei Interesse am Seminar und am Pierrot-Wochenende nehmen Sie bitte nach Möglichkeit schon vor Semesterbeginn Kontakt auf (andreas.meyer@hmdk-stuttgart.de), die verbindliche Anmeldung zum Seminar erfolgt in der ersten Woche.
- Kursleitung: Prof. Dr. Andreas Meyer
- Teacher: Frederika Westhäußer-Kowalski

- Kursleitung: Adrian Alban
In diesem Seminar werden wir uns mit Musik im Laufe des Lebens beschäftigen, von den ersten musikalischen Erfahrungen bis hin zu den letzten. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie sich musikalische Vorlieben entwickeln, wie Kleinkinder auf Musik reagieren und mit ihr interagieren, ob es ein Alter gibt, wo viele Menschen mit dem Musizieren aufhören und welche Vorteile auch ältere Menschen vom Musizieren haben. Wir unterscheiden dabei auch zwischen Amateur- und Profimusikern und welche Bedürfnisse bzw. Fähigkeiten diese im Laufe des Lebens haben und wie sie sich verändern. Im Seminar gibt es ebenfalls die Möglichkeit, eigene Themenwünsche zu diesem Oberthema einzubringen.
- Kursleitung: Eva Schurig