Musikalische Rhetorik in der Musik zwischen 1600 und 1840: Schlüssel zum Verständnis oder theoretisches Konstrukt? (Proseminar SoSe 2021)

Inhalte des Proseminars

Musik mit Rhetorik zu vergleichen wurde ab 1600 zunehmend aktuell. Eine Reihe von Studien betrachtet diesen Ansatz sogar als Schlüssel zum Verständnis der wortgebundenen Musik, nutzt die Beschreibung musikalisch-rhetorischer Figuren zwischen 1600 und 1788 wie einen Katalog zur Analyse von Musik. Indes wurde auch Kritik an diesem Konzept geäußert und es wurde eine musikalische Gestaltung der außerhalb der Musik liegenden Rhetorik gegenübergestellt. Dennoch besteht zuweilen immer noch der Eindruck, musikalische Rhetorik sei ein geschlossenes System der musikalischen Neuzeit. Und sie wird auch zuweilen – etwas diffus – mit einer Affektenlehre begründet. Die Lektüre der Quellen und der Literatur mahnt aber zur Vorsicht, allemal dann, wenn es um Instrumentalmusik geht.

Zur Vorbereitung empfohlen:

  • Schmitz, Arnold: Figuren, musikalisch-rhetorische, in: MGG 4 (1955), Sp. 176-183 
  • Klassen, Janina: Musica Poetica und musikalische Figurenlehre, in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung 2001, S. 73-83
  • Krones, Hartmut (Hrsg.): Rhetorik und Musik, Berlin 2016

  • Unger, Hans Heinrich. Die Beziehung zwischen Musik und Rhetorik im 16.-218 Jahrhundert, Würzburg 1941, ND Hildesheim u.a. 1969

Veranstaltungszeit und -Raum

  • Donnerstag, 11 -13 Uhr (c.t.), Raum 8.28
  • Beginn: 01.04.2021

ACHTUNG: Dieses Lehrangebot wird als Präsenzunterricht durchgeführt. Bei online-Lehre erfolgt eine Modifizierung.

Prof. Dr. Joachim Kremer
Category: Proseminare

Das Oratorium im 19. Jahrhundert (SoSe 2021)

Dienstag, 18–20 Uhr, online (oder wenn möglich später Raum 8.28)

 

Beginn: 23. März 2021 (online)

Verbindliche Anmeldung über Moodle bis einschließlich 23. März 2021.

 

Vor allem im deutschsprachigen Raum gelangten zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Oratorium geistliche Sujets, Motive und Texte in den bürgerlichen Konzertsaal und von dort alsbald auf die Programme der zahlreichen Musikfeste. Insgesamt handelt es sich um eine komplexe, bisweilen paradox anmutende historische Situation: Kompositionen, deren Libretti auf biblische Erzählungen zurückgehen, beförderten eine Säkularisierung der Stoffe und zugleich die Idee, das Oratorium als Gegenentwurf zu Sinfonie und Oper zu gestalten. Ausgehend von den in England tradierten Werken von Georg Friedrich Händel mit ihren Chorsätzen sowie den beiden Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten von Joseph Haydn werden Kompositionen u.a. von Friedrich Schneider, Louis Spohr, Felix Mendelssohn Bartholdy, A.B. Marx, Max Bruch und Felix Draeseke exemplarisch besprochen und in einen größeren Zusammenhang eingeordnet.

 

 

Einführende Literatur:

•   Günther Massenkeil, Deutschland im 19. Jahrhundert, in: ders., Oratorium und Passion Bd. 2, Laaber 1999 (= Handbuch der musikalischen Gattungen Bd. 10/2).

•   Die Oratorien Louis Spohrs. Kontext – Text – Musik, hrsg. von Dominik Höink, Göttingen 2015.

•   Eva Verena Schmid, Oratorium und Musikfest. Zur Geschichte des Oratoriums in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Göttingen 2012.

•   Daniel Ortuño-Stühring, Musik als Bekenntnis. Christus-Oratorien im 19. Jahrhundert, Laaber 2011 (= Weimarer Liszt-Studien Bd. 6).

•   Michael Zywietz, Adolf Bernhard Marx und das Oratorium in Berlin, Eisenach 1996 (= Schriften zur Musikwissenschaft aus Münster Bd. 9).

 

 

PD Dr. Michael Kube
Category: Proseminare

Lektüreseminar – Theodor W. Adorno: Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion (M. A. M. Mus. Frithjof Vollmer, SoSe 21)

Mittwoch, 14 – 16 Uhr (c. t.), Raum 8.28
Beginn: 31.03.2021 

„Die wahre Reproduktion ist die Röntgenphotographie des Werkes.“ Nur für sich genommen scheint aus diesem Satz des auf das Musikgeschehen im 20. Jahrhundert enorm einflussreichen Musikphilosophen Theodor W. Adorno (1903–1969) geradezu ein Imperativ zu sprechen: Musikalische Interpretation hat der Werkintention zu dienen; persönliche, weil potentiell verfremdende, oder gar „nachschöpferische“ Anteile der / des Aufführenden seien demnach zu vermeiden. Aber hat Interpretation nicht notwendig immer auch subjektive Momente, ja Anteile von Improvisation? Anhand der Lektüre von Adornos Skizzen zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion lassen sich denn auch Fragen diskutieren, die aktueller kaum sein könnten: Welche Rolle, welchen „Auftrag“ haben wir als musizierende Interpret*innen (heute)? Wie lässt sich das (moderne) Spannungsfeld zwischen Text (der Partitur) und Aufführung beschreiben, wenn zunehmend Ton- und Videodokumente den Rang erster Referenzen einnehmen? Nicht zuletzt: Lässt sich das „Dreigestirn“ aus Komponierenden, Aufführenden und Rezipierenden im 21. Jahrhundert ohne ein viertes, den allgegenwärtigen Einfluss der Technik nämlich, überhaupt noch denken – und was folgt daraus, wenn infolge eines Jahres des pandemiebedingten Ausnahmezustandes Musik beinahe nur noch über anonyme, digitale Plattformen wie etwa YouTube „konsumiert“ wird?

Dem zwischen 1927 und 1959 entstandenen, Fragmente gebliebenen Konvolut soll sich im Seminar gleichermaßen mit einem systematischen und historischen Blick genähert werden; Referate ergänzen Kontexte zu Adornos Umfeld und mögliche Einflüsse auf seine Theoriebildung. Als Lektüreseminar wird der Leistungsnachweis für die regelmäßige Vorbereitung einzelner Textabschnitte, die Übernahme einer Themenpatenschaft inkl. mündlicher Leistung sowie für eine kurze Hausarbeit (8–12 Seiten) mit Abgabe bis zum 11. Oktober 2021 vergeben.

Anmeldung ab 01.03. bis 31.03. ausschließlich über das E-Learning-System (LMS) der Hochschule. Die Zahl der Plätze ist auf 22 begrenzt. Rückfragen via E-Mail an frithjof.vollmer@hmdk-stuttgart.de. 

Zur Anschaffung und Vorbereitung empfohlen: 
Theodor W. Adorno, Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion, hrsg. v. Henri Lonitz, Frankfurt a.M. 2005 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1750, ca. 13 Euro). 

Frithjof Vollmer
Category: Proseminare

Musikalität, Begabung und Expertise

Bestimmt kennen viele von uns mindestens einen sehr musikalischen Menschen, der scheinbar in der Vergangenheit (und heute noch) ohne intensive Übung überragend singen kann oder einInstrument virtuos beherrscht. Wie lassen sich bereits frühe Talente in der Musik, so genannte musikalische Wunderkinder, erklären? Ist Musikalität gar genetisch determiniert, ist sie vornehmlich die Summe qualitativ und quantitativ hochwertigen Unterrichts und Trainings, oder ist sie das Ergebnis des Zusammenspiels aus verschiedenen Personeneigenschaften und weiteren, externen Faktoren (wie familiäre Unterstützung, Unterrichts-und Übequalität und -intensität, Lehrer*innenwechsel, Wettbewerbserfolge, öffentliches Interesse an der Person u.v.a.)?Können darüber hinaus auch Tiere, wie bspw. Vögel mit ähnlicher auditorischer Ausstattung, auch musikalisch sein? Und überhaupt: Wie lässt sich Musikalität objektiv feststellen? Diesen und weiteren Fragen werden wir uns im Seminar widmen. Dabei ist zugleich ein weiteres Ziel, aus den musikpsychologischen Erklärungsansätzen mögliche Handlungsalternati-ven für die musikpädagogische Praxis abzuleiten.

Literaturhinweis:Gembris, H. (2017). Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung(5.Aufl.). Wißner.

Hanna Mütze
Category: Proseminare

Mannheimer Hofkapelle: Komponisten, Gattungen, Ästhetik und Wirkung (WS 20/21)

Überblick

Als „Paradies der Tonkünstler“ bezeichneten Zeitgenossen die Musikkultur des Mannheimer Hofes, und auch Mozart legte seine Reiseroute so, dass er sich in Mannheim länger aufhalten konnte. Das Seminar stellt Gattungen und Komponisten vor, diskutiert die Frage einer Mannheimer Ästhetik und der sog. Mannheimer Manieren sowie den Schulbegriff und hinterfragt die Geschichtsschreibung, von Chr. Fr. D. Schubart (ab 1775) bis H. Riemann (1906).

Vorbereitung

Zur Vorbereitung empfohlen:

  • B. Pelker: Mannheimer Schule, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage, Sach- teil, Bd. 5, Kassel u.a. 1996, Sp. 1645-1662
Category: Proseminare

Instrumente, Objekte, Artefakte der Musik: Beispiele aus der Geschichte der Organologie

Die Geschichte der Musikinstrumentenkunde birgt etliche Beispiele des Experimentierens. Diese sind oft eng verknüpft mit wechselnden Klangvorstellungen. So führten sie u.a. zur Erweiterung des Ambitus (Tasteninstrumente), zur Anwendung neuer Materialien (Flöten) und zur Chromatisierung des Tonumfangs (Trompete/Horn). Auf die Spielweise nahm dies ebenso Einfluss wie auf Kompositionsweisen und Räume der Aufführungen. Instrumentenbauer, sehr selten auch Instrumentenbauerinnen, experimentierten in vielfältiger Weise unter Einbeziehung akustischen und materialtechnischen Wissens. Als Quellen dienen uns heute Patentschriften und Veröffentlichungen in Magazinen, Instrumentenschulen und Instrumentationslehren.

Instrumente selbst können wir bei einer Exkursion ins Haus der Musik/Landesmuseum Württemberg in die Forschung einbinden. Wir erkunden gemeinsam einzelne Beispiele und entwickeln weiterreichende Fragen, die musikwissenschaftlichen Methoden mit denen benachbarter Disziplinen verbinden. 

Ablauf des Block-Seminars

Bitte melden Sie sich verbindlich bis zum 4. Mai auf dieser Plattform und mit einer Mail an: rebecca.wolf.LA@hmdk-stuttgart.de oder r.wolf@deutsches-museum.de.
Noch sind teils Präsenztermine geplant (s.u.), sollte sich dies ändern, werden Sie per Mail informiert.
Zu erbringen sind Referat und Hausarbeit.

Folgende Blocktermine sind geplant

Freitag, 12.6., 11:00 – 13:30 Uhr und 14:30 – 17:00 Uhr, virtuell

Freitag, 19.6.2020, 13:30 – 16:30 Uhr, virtuell
Samstag, 20.6.2020, 10:00 – 12:30 Uhr und 13:30 – 17:00 Uhr, virtuell

Freitag, 3.7.2020, 13:30 – 16:30 Uhr, Raum 8.34
Samstag, 4.7.2020, 09:00 – 12:30 Uhr und 13:30 – 16:30 Uhr, Haus der Musik (Landesmuseum Württemberg)


Rebecca Wolf
Category: Proseminare

Musikhören, Musikmachen, Musikerleben - Einblicke in die Musikpsychologie

Die Musikpsychologie beschäftigt sich mit vielen Fragen der Wahrnehmung und Verarbeitung von Musik. Im Rahmen dieses Seminars erhalten die Studierenden Einblicke in ausgewählte Themenbereiche und erarbeiten dabei vielfältige Inhalte, aber auch methodische Zugänge und wissenschaftliche Argumentation an konkreten Beispielen.

Dr. Johannes Hasselhorn
Category: Proseminare