Bereits vor den Repertoirestücken Die Entführung aus dem Serail und Zauberflöte hat Mozart sich mehrfach mit Texten für das deutschsprachige Musiktheater befasst. Auf die 1768 in Wien entstandene einaktige „Operette“ Bastien und Bastienne folgen 1780 in kurzer Abfolge Die Gärtnerin aus Liebe (eine Umarbeitung der Opera buffa La Finta Giardinera) und das bis heute mancherlei Rätsel aufwerfende Zaide-Fragment: In jedem dieser drei Stücke verbinden sich philologische Probleme der Textüberlieferung und/oder des Aufführungsanlasses mit der durch eine Ausleuchtung ihres Standorts im Rahmen der Gattung Singspiel zu kontrastierenden Frage heutiger Aufführungsmodalitäten.
Als Abschluss des Seminars ist im Juli 2025 (voraussichtlich am 2.7 oder 8.7) eine Kurzexkursion zur Zaide-Neuinszenierung bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen geplant. Aufgrund des beschränkten Kontingents kann eine Karte für den Besuch der Opernvorstellung bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen u. U. nicht für alle Studierenden garantiert werden
- Kursleitung: Prof. Dr. Tobias Robert Klein
Hauptseminar
1925. Werke und Entwicklungen
Dienstag, 20–21:30 Uhr, Raum 8.28
Beginn: 8. April 2025 ( NEU !!! )
Begrenzte Teilnehmerzahl.
Einzelne Termine als Zoom. Verbindliche Anmeldung über Moodle bis einschließlich 4. April 2025.
Für Mittwoch, 23. April 2025, ist eine ganztägige Exkursion nach Karlsruhe und Mannheim vorgesehen.
Wohl zu keiner anderen Zeit entwickelten sich Komponisten und Stile so rasch wie in den 1920er Jahren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden die Jahre der Weimarer Republik vielfach als Aufbruch empfunden mit neuen stilistischen Möglichkeiten und kompositorischen Verfahren. Die Themen des Seminars sind auf das Jahr 2025 fokussiert wie zum Beispiel die Musikfeste in Donaueschingen, Venedig (IGNM) und Kiel (ADTV), aber auch auf Werke von Berg (Wozzeck), Gershwin (Klavierkonzert), Hindemith (Konzert für Orchester), Lehar (Paganini), Prokofjew (Sinfonie Nr. 2) und Weill (Violinkonzert) sowie den Jazz um Josephine Backer.
- Kursleitung: Prof. Dr. Michael Kube

Prof. Dr. Michael Kube MA (LIS)
Erwin Schulhoff.
Komponist zwischen den Stilen
Dienstag, 20 Uhr – 21:30 Uhr, Raum 8.28 (unregelmäßig)
Einzelne Seminar-Termine finden per Zoom statt.
Vorgesehen ist eine Exkusion nach Prag in dem Zeitraum von Montag, 3. Februar 2025, bis Mittwoch 5. Fenruar 2025 (ganztags). Die Teilnahme daran ist verpflich-tend und für eine benotete Leistung (neben Referat und Hausarbeit) zwingend.
Beginn: 15. Oktober 2024
Begrenzte Teilnehmerzahl.
Verbindliche Anmeldung über Moodle bis einschließlich 13. Oktober 2024.
Wohl in keiner anderen Komponistenbiographie spiegeln sich die mit den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einhergehenden gesellschaftlichen wie auch kulturellen Aufbrüche, Umbrüche und Abbrüche so beispielhaft wie in der von Erwin Schulhoff (1894–1942), der „auf eine frappierende Weise senkrecht startete, bald aber in eine tangentiale Bahn einschwenkte, brutal an- und abgeschossen, schließlich jämmerlich zugrunde gerichtet und, kaum weniger tragisch, bald ver-gessen wurde“ (Heinz Joseph Herbort). Wie kein zweiter Komponist traf Schulhoff mit seiner eigentümlichen stilistischen Melange aus überlieferten Gattungen und Formen, dem (Tanz-)Jazz entlehnten Rhythmen, einer erweiterten und teilweise linear ausgerichteten Tonalität sowie einer bisweilen neobarocken Attitüde in der Mitte der 1920er Jahre den Nerv der Zeit. Dennoch gelang es ihm nicht, sich mit repräsentativen Werken auf der Bühne und im Konzertsaal auch nur annähernd durchzusetzen; die wenigen Erfolge blieben singulär und an sein eigenes Auftreten als Pianist gekoppelt. – Im Seminar wird der kompositorische Weg von Erwin Schulhoff an ausgewählten Werken und Textes nachvollzogen (Klaviermusik, Kammermusik, Oratorium, Sinfonik)sowie in die Musikgeschichte der 1920er und frühen 1930er Jahre eingebettet.
Einführende Literatur:
• Josef Bek, Erwin Schulhoff. Leben und Werk, Hamburg 1994 (= Verdrängte Musik Bd. 8).
• Josef Bek, Art. Erwin Schulhoff, in: Komponisten der Gegenwart, München 1992 und 1998.
• Michael Kube, Art. Erwin Schulhoff, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Personenteil Bd. 15, Kassel 2006, Sp. 222–226.
• Miriam Weiss, «To make a lady out of jazz». Die Jazz-Rezeption im Werk Erwin Schulhoffs, Neumünster 2011.
- Kursleitung: Prof. Dr. Michael Kube
Mittwoch, 11 – 13 Uhr (c.t.), Raum 08.05
Beginn: 16. Oktober 2024
Mehr noch als durch die vierhundertjährige Wiederkehr seines Ausbruchs stößt der lange im Schatten der beiden Weltkriege stehende dreißigjährige Krieg durch die von vorstaatlichen Akteuren wie Söldnertruppen, Warlords und Rebellengruppen mitgeprägten „neuen Kriege“ des 21. Jahrhunderts auf ein aktualisiertes Interesse. Aus musikhistoriographischer Perspektive impliziert diese bedrückende Aktualität die vertiefte Auseinandersetzung u.a. mit den folgenden Themenkomplexen: - Krieg als Thema der Musikgeschichte - Musik auf den Schlachtfeldern des 17. Jhd. - „Soziales Medium“: Das (populäre) Lied als Werkzeug der Propaganda - Institutionelle Folgen: Aufstieg und Niedergang der Hofkapellen und Kantorate - Positionierung und (Überlebens-)strategien der Komponisten - Musik im konfessionellen Streit und diplomatischen Disput - Trost, Bewältigung und Euphorie: Musikalische Kriegsklagen und Friedensfeiern - Nachleben und Darstellung des Dreißigjährigen Kriegs auf der Opernbühne.
- Kursleitung: Prof. Dr. Tobias Robert Klein
Donnerstag, 16–18 Uhr (c.t.), Raum 8.28
Beginn: 17.10.2024 (Anmeldung im e-learning oder in der 1. Sitzung)
Der musikalische Exotismus startet im 18. und 19. Jahrhundert als pittoreske Inszenierung des Fremden – z.B. in der „Türkenoper“ bei Mozart und anderen oder als schwelgerische Idee vom „Orient“ im französischen Orchestergesang. Er schafft einen illusionären Raum für Erfahrungen, die es in Europa nicht gab: fabelhaften Luxus, raffinierte Sinnlichkeit, äußerste Grausamkeit … In der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts geraten die Grenzen von Eigenem und Fremden in Bewegung – Komponisten lassen sich selbst befremden, wollen bewusst Stereotype überwinden oder suchen nach „dritten Räumen“ der Begegnung. Im Jazz oder im Rhythm&Blues ist die Aushandlung zwischen „weißen“ und „schwarzen“ Anteilen konstitutiv. Mittlerweile steht potentiell dieser ganze Bereich unter dem Stichwort „kultureller Aneignung“ in der Kritik – bis hin zum Aufregerthema in den Feuilletons und sozialen Medien (man denke an die Debatten um „mexikanischen“ Volkstanz bei der Bundesgartenschau und Reggae mit oder ohne Dreadlocks).
Im Seminar lesen wir Ausschnitte aus theoretischen und feuilletonistischen Positionierungen und beleuchten exemplarische Fälle – z.B. Werke und Werkausschnitte von Mozart, Saint-Saëens, Ravel, Delage, Bartók, Boulez, Pagh-Paan, Bhagwati … Mögliche Themen aus dem populären Bereich sind die Anfänge des Blues, des Rock´n´Roll, des HipHop oder auch aktuelle Fallbeispiele je nach Interessen und Vorkenntnissen.
- Kursleitung: Prof. Dr. Andreas Meyer
- Teacher: Frederika Westhäußer-Kowalski