In diesem Forschungslernseminar mit dem Anforderungsniveau eines wiss. Hauptseminars soll die Frage beantwortet werden, wie stark der visuelle Eindruck des Auftrittsverhaltens von Interpretinnen und Interpreten das publikumsseitige Gefallensurteil beeinflusst. Hierfür sollen die Techniken der systematischen Literatur- / Übersichtsarbeit mit statistischen Reanalysen von Studieneffekten in Form einer sogenannten Meta-Analyse zur Anwendung kommen. Dieses Verfahren kommt vor allem in der evidenzbasierten Medizin zum Tragen. Mit ihr wird nicht nur die Wirkungsfrage, sondern die Wirksamkeitsfrage an Hand einer Reanalyse publizierter Studienergebnisse zu beantworten versucht. Das Hauptseminar wendet sich an Studierende aller Studiengangsrichtungen mit dem Interesse an deutsch- und vor allem englischsprachiger Literatur zur experimentellen Interpretationsforschung (sogenannte Performance-Forschung) und bietet die Gelegenheit, statistischgestützte Techniken der Studien- und Informationsbewertung zu erwerben (u.a. Präsentationstechniken). 

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Hauptseminar ist ein profundes Wissen im Recherchieren und Akquirieren musikwissenschaftlicher Literatur. Die erfolgreiche Seminarteilnahme geht mit dem regelmäßigen Besuch und einer aktiven Beteiligung einher (maximale Fehlzeit: 2 x 2 Stunden). Eine Leistung („Schein“) gilt mit einer anschließenden Dokumentation des eigenen forschungsgestützten Vorgehens als erbracht, das durch das Seminar geführt und begleitet wird. 

Veranstaltungstermine: 17.10.2018; 24.10.2018 und 07.11.2018 (mittwochs), jeweils 9 – 18 Uhr, Raum 8.34

Umfang ECTS: 4 (Hauptseminar)


Béla Bartóks Weg zur neuen Musik führt über eine produktive Aneignung und Fortschrei- bung von Modellen der ungarischen bzw. der slowakischen und rumänischen Folklore. Jede dritte seiner Kompositionen ist eine Volksliedbearbeitung oder baut wenigstens teilweise auf einem Volkslied auf. In anderen Fällen ist die Grenze zur „Originalkomposition“ fließend. Stärker als die ältere Literatur sieht die neuere Forschung Bartóks Begriff von Folklore bzw. „Bauernmusik“ durchaus kritisch. Die Option für eine vermeintlich archaische, ursprüngliche (National-)Tradition erweist sich als ebenso zeittypisch wie fragwürdig – und die Konsequen- zen, die er aus seinem Material zieht, sind alles andere als selbstverständlich (aber oft gera- de darum künstlerisch überzeugend).

Das Seminar bietet keinen „Überblick“ über Bartóks Werk nach Gattungen oder Schaffens- phasen, sondern thematisiert grundsätzliche Aspekte – wobei natürlich exemplarisch be- stimmte Werke (Kossuth, Allegro barbaro, Suite für Klavier, Der wunderbare Mandarin, 44 Duos, 6. Streichquartett, 3. Klavierkonzert u.a.m.) verhandelt werden, auch mit Mitteln der musikalischen Analyse. Im Mittelpunkt steht Bartóks Positionierung zwischen Moderne und (wirklicher oder „erfundener“) Tradition, die damit verbundene „symbolische Arbeit“ am musikalischen Bild Ungarns, die Methodik und Motivation seiner Volksmusikforschung (auch in weniger bekannten Beispielen wie seiner Forschungsreise nach Algerien 1913), seine Stel- lung zu Strawinsky, zur Wiener Schule und – nach der Emigration – zum Musikleben in den USA.

Vorausgesetzt wird die Fähigkeit und Bereitschaft zur Lektüre anspruchsvollerer, auch eng- lischsprachiger Forschungsliteratur. Die Zahl der aktiven Teilnehmer ist auf 15 begrenzt; frühzeitige Anmeldung unter andreas.meyer@mh-stuttgart.de wird empfohlen.