Das 19. Jahrhundert ist die Epoche der Aufwertung und Übersteigerung der Tonkunst zur „absoluten Musik“ einerseits, zum „Musikdrama“ andererseits. War noch für Kant ungewiss, ob die Musik nicht eher zu den „angenehmen Künsten“ gehöre (Seite an Seite mit der Kochkunst), ist sie für Schopenhauer gerade aufgrund ihrer begrifflichen Unschärfe die höchste aller Künste überhaupt – nur der Komponist offenbart das innerste Wesen der Welt. Andererseits sehen zum Beispiel Wagner und Liszt nach 1850 diese „romantische“ Unbestimmtheit zwiespältig und suchen einen engeren Anschluss der Musik an die Dichtkunst bzw. das Drama.

Die Vorlesung thematisiert die ganze Spannbreite musikalischer Genres und Stilhöhen: Neben Symphonie und Musikdrama stehen die weniger strikten Gattungen des Instrumentalkonzerts (verbunden mit der Frage der Virtuosität) und des Lieds, aber auch die Chormusik, die italienische Oper und die französische Operette, schließlich Salon- und Tanzmusik. Andere Schwerpunkte betreffen die Kammermusik mit ihrem zwiespältigen Verhältnis zum öffentlichen Konzert, den Künstlermythos des 19. Jahrhundert oder auch die Emanzipation „nationaler“ Stile.