WS 20/21: Die Beziehungen zwischen Musik und Literatur in der Romantik (PD Dr. Boris Voigt)

Literatur und Musik sind in der Romantik äußerst eng miteinander verflochten und wechselseitig aufeinander bezogen. Schon die literarische Romantik nimmt sowohl von den ästhetischen Verfahrensweisen, die sie anwendet, wie auch thematisch musikalische Elemente auf, das lässt sich bei E. T. A. Hoffmann nicht anders als etwa bei Ludwig Tieck beobachten. Gleichwohl ist das Beziehungsgeflecht zwischen romantischer Literatur und romantischer Musik nicht einfach zu beschreiben. Das liegt zunächst einmal an der Phasenverschiebung zwischen ihnen. Die Romantik, versteht man sie als Epoche, setzt im literarischen (und theoretischen) Denken gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein und endet um 1840. In der Musik beginnt die Romantik um etwa zwanzig Jahre zeitversetzt unter direkter Bezugnahme auf die literarische Romantik. Nimmt man dieses Kriterium zur Grundlage, könnte man den Anfang der musikalischen Romantik mit dem Liedschaffen Franz Schuberts, vor allem mit den Vertonungen der Gedichte Wilhelm Müllers, setzen. Hier stellt sich bereits das erste Problem: die Vertonung romantischer Literatur ist kein sicheres Indiz für eine musikalische Romantik, denn sie könnte ja in unromantischem Geist erfolgen. Und wo wären dann die Grenzen musikalischer Romantik zu ziehen – bei Mahlers Wunderhorn-Liedern oder bei Nonos Streichquartett Fragment – Stille – An Diotima? Es wäre zu fragen, ob der Romantik-Begriff überhaupt vorrangig als ein Epochenbegriff verstanden, oder ob nicht eher eine spezifische ästhetische Perspektive als zentrales Kriterium der Romantik gesehen werden sollte, nämlich eine unaufhebbare Differenz zwischen Subjekt und Welt. Den Beziehungen zwischen Musik und Literatur in der Romantik und den mit ihnen verbundenen Schwierigkeiten wird die Vorlesung an verschiedenen Beispielen nachgehen, darunter die schon genannten Autoren und Komponisten, aber ebenso etwa an Lord Byron und Robert Schumann oder Hector Berlioz.

 

Dienstag, 14 – 16 Uhr c. t., OPR 

Beginn: 20.10.2020

 

Boris VoigtFrithjof Vollmer

Musikgeschichte im Überblick: Das 17. Jahrhundert

In die Musikgeschichte des 17. Jahrhunderts fallen grundlegende und folgenträchtige Entwick- lungen, die Kompositionspraxis und auch das Gattungsspektrum nachhaltig veränderten. Zu denken ist etwa an die Entwicklung des Generalbasses, die neue Gattung 'Oper', das 'geistliche Konzert' sowie an verschiedene Gattungen der Instrumentalmusik (Sonata, Suite). Die Grundzüge dieser Entwicklung werden in dieser Vorlesung umrissen, dabei werden Werke von Monteverdi, Schütz, Lully, Weckmann und Biber behandelt.

Zur Vorbereitung empfohlen

Werner Braun: Das 17. Jahrhundert (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft 4), Laaber 1981.

Prof. Dr. Joachim KremerChristoph Doser

Arnold Schönberg – Neue Musik um 1910

Ich strebe an: vollständige Befreiung von allen Formen. Von allen Symbolen des Zusammenhangs und der Logik. Also: weg von der ,motivischen Arbeit‘. Weg von der Harmonie als Zement oder Baustein einer Architektur. Harmonie ist Ausdruck und nichts anderes [...]. Weg vom Pathos! Meine Musik muss kurz sein. Knapp! In zwei Noten: nicht bauen, sondern ,ausdrücken‘!!“ (Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni, ca. 13.8.1909)

Kein anderer Komponist hat um 1910 den Anspruch einer (später so genannten) Neuen Musik so drastisch formuliert – und in einer Reihe von Werken dieser Zeit auch realisiert. Die Vorlesung bespricht – nach einer Einführung zu Schönberg und der „Wiener Schule“ insgesamt – so legendäre Stücke wie die Georgelieder, das zweite Streichquartett, das Monodram Die Erwartung, die Drei kleinen Klavierstücke op. 11 und Pierrot lunaire op. 21. Gefragt wird nach den kulturgeschichtlichen Voraussetzungen in Wien und Berlin nach der Jahrhundertwende, nach Verbindungen zum Aufbruch in den anderen Künsten (Schönbergs eigene Malerei inbegriffen!) und nach dem Konzept des „Expressionismus“. Auch die parallele Entwicklung z.B. bei Strawinsky, Debussy, Bartók oder Busoni und die Frage nach Schönbergs Verhältnis zu Richard Strauss wird gestreift. Da die meisten Stücke dieser Zeit erklärtermaßen „kurz“ sind (s. oben), wird auch Gelegenheit bestehen, dieses Repertoire (mehr oder weniger) komplett zu hören und gemeinsam die Hörerfahrung zu reflektieren.

Zum Ablauf der Vorlesung gehört (ergänzend zum regulären Termin) auch ein öffentlicher Abend im Rahmen der Schönberg-Tagung der HMDK im Sommersemester (Do., 18. Juni, 18–20 Uhr im OPR). Renommierte Schönberg-Forscher präsentieren in Vorträgen und einem Roundtable ihre Ideen für ein neues, in Vorbereitung befindliches Schönberg-Handbuch. 

Franziska KleinProf. Dr. Andreas MeyerFrithjof Vollmer